Schon ein flüchtiger Blick auf die Tschechienkarte zeigt: Hier gibt es etliche Flüsse und Bäche, die sich hervorragend für wassersportliche Aktivitäten eignen. Schifffahrten auf dem kilometerlangen Baťa-Kanal, der die Städte Kroměříž (Kremsier) und Hodonín (Göding) im Südosten des Landes miteinander verbindet, sind dabei in den letzten Jahren immer beliebter geworden. Nicht nur das Befahren des Flusses Morava (March) an Bord eines Bootes oder Ausflugsschiffes, sondern auch die Besichtigung der Weingüter, Schlösser und Naturschutzgebiete ist es wert, sich in diese Region des Landes zu wagen. Ganz gleich ob per Rad oder mit dem Schiff.

Die Geschichte des Baťa-Kanals begann im Jahr 1935, als der berühmte Unternehmer Tomáš Baťa sich für die Möglichkeit interessierte, den Flusslauf der Morava zu regulieren. Für seine Schuhproduktion benötigte er nämlich in Otrokovice Braunkohle aus den Bergwerken Ratíškovice. Schrittweise entstand ein 51,8 km langer Schifffahrtsweg mit 13 Schleusen, in deren Nähe die typischen Bat’a-Häuser für die Bediensteten errichtet wurden. Die über 20 technisch ausgeklügelten Brücken mit Unterführungen und Wandelgängen mit abgesenktem Geländer (für die leichtere Befestigung der Seile am Boot) sind bis heute ein echter Hingucker.

Die Region Slovácko, durch die der Baťa-Kanal fließt, wurde 2011 sogar mit dem europäischen EDEN-Preis für herausragende europäische Reiseziele ausgezeichnet. Den Kanal können Bootsfreunde entweder an Bord eines Ausflugsschiffes, des eigenen Bootes oder eines Leihbootes befahren. Vorbei an romantischen Auen und Vogelschutzgebieten, immer mit der Möglichkeit anzuhalten, und in den beliebten Weinkellern in Petrov (Petrau) und Strážnice (Straßnitz) einzukehren. Denn obwohl Südmähren nur ein kleiner Punkt auf der Karte der internationalen Weingebiete ist, schätzt man die Region wegen der außergewöhnlichen Qualitätsweine mit langjähriger Tradition. Die Anziehungskraft der mährischen Weine soll vor allem in der Vielfältigkeit und Vollmundigkeit liegen – so riecht zum Beispiel der Wein Svatovavřinecké víno von einem Weinberg nach Rosen, vom benachbarten nach getrockneten Pflaumen und vom dritten Weinberg vielleicht nach Erdbeeren.

Die historische Innenstadt von Kroměříž. Foto: Scotch Mist via Wikimedia Commons

Die historische Innenstadt von Kroměříž. Foto: Scotch Mist via Wikimedia Commons

Schön ist auch die historischen Stadt Uherské Hradiště(Ungarisch Hradisch) mit ihrem vollständig denkmalgeschützten Stadtkern, sowie ein Aufstieg zur Burg Buchlov. An einem der kleinen Strände legen Besucher eine Pause ein oder erfrischen sich im Wasser. Am Ende des Kanals erreicht man schließlich Kroměříž. Die Stadt hat neben seinem historischen Schloss, das zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, viel zu bieten, wird es doch von vielen Menschen als schönste historische Innenstadt Tschechiens betrachtet.

Auch auf zwei Rändern lässt sich die Region hervorragend erkunden.  Der Baťa-Kanal ist ein beliebtes Ausflugsziel für Fahrradtouren.  Am Kanal führt nämlich ein 80 km langer Fahrradweg entlang, wobei das ebene Gelände auch für ungeübte Fahrradfahrer geeignet ist. Man kann jedoch problemlos jederzeit vom Rad aufs Schiff umsteigen. Wer sich ein Hausboot mietet, hat besonders viel vom Wasser  – das ist auch ohne Sportbootführerschein möglich.

Titelfoto: Vladimír Kubík / Czech Tourism